Sonntag, 24. Januar 2016

-WIDERSTAND DER MAPUCHE-

Hungertreik von Francisca Linconao
Seit drei Tagen befindet sich die Machi Francisca Linconao Huircapán im Hunterstreik und protestiert damit gegen ihre erneute Inhaftierung. Das Berufungsgericht hatte am Donnerstag den 22. Dezember entschieden, dass die Autorität der Mapuche-Gemeinde von Pablo Linconao II wieder in kommt. Der Machi Francisca wird vom chilenischen Staat beschuldigt an der Brandstiftung des Anwesens der Familie Luchsinger-McKay verwickelt zu sein, die zum Tod des Ehepaares führte. Francisca Linconao hat mehrfach ihre Unschuld beteuer und sich mit einem Schreiben an die chilenische Präsidenten Michelle Bachelet gewandt und die höchste Autorität im Lande aufgefordert sich für ihre Freilassung einzusetzen und die politische Verfolgung der Mapuche einzustellen.
"Zum vierten Mal hat das Berufungsgericht die Sicherungsmaßnahmen geändert und spielt damit mit meiner Gesundheit und meinem Leben. Sie erniedrigen mich als Mapuche, obwohl ich unschuldig bin und es keine Beweise gegen mich existieren", betonte die gesundheitlich angeschlagenene 59-Jährige.
Das Gericht hat Francisca Linconao dreimal an Mangel an Beweisen, die eine Untersuchungshaft rechfertigen könnten, die Haft in Hausarrest umgewandelt. Die Staatsanwaltschaft ging jedoch in Berufung und erwirkte die erneute Inhaftierung. Die Mapuche sehen darin eine willkürliche Maßnahme des chilenischen Staates, um den Widerstand der Mapuche gegen kapitalistische Großprojekte und ihre Forderung ihr Land zurückzubekommen, zu brechen.
Wir als Internationales Netzwerk zur Verteidigung der Mapuche sind solidarisch mit Francisca Linconao und fordern ihre sofortige Freilassung.Die Inhaftierung von Mapuche gehört zur Zermürbungstaktik des Staates, um Aktivisten/innen und Autoritätspersonen der Mapuche, die sich gegen den permanenten Landraub wehren, einzuschüchtern und aus dem Verkehr zu ziehen.



Polizei schießt minderjährigen Mapuche in den Rücken!
Brandon Hernández Huentecol wurde bei einer Personenkontrolle von chilenischen Polizeikräften in den Rücken geschossen und schwebt in Lebensgefahr. Der General der Carabineros von Temuco, Christian Franzani, sprach von einem bedauerlichen Unfall Der Schuss soll sich selbst ausgelöst haben.
Dem wiedersprechen allerdings Zeugenaussagen und ein balistisches Gutachten.Brandon soll demnach einem Freund zu Hilfe gekommen sein, der von den Spezialkräften für eine Personenkontrolle verfolgt wurde. Bereits da sollen die Beamten auf Minderjährigen gezielt haben. Als ein Polizist Brandon bereits zu Boden geworfen hatte, fiel der Schuss.
Dass es ein Unfall ist, glauben die Eltern von Brandon ebensowenig wie die Anwohner, die sich über die Militarisierung ihres Ortes Sorgen machen und um die Sicherheit und der körperlichen Unversehrtheit ihrer Kinder fürchten. Die Spezialkräfte GOPE gehen gegen die Mapuche mit unverhältnismäßiger Gewalt vor und schrecken auch nicht davor zurück Frauen und Kinder unter Beschuss zu nehmen. Der Körper von Brandon Hernández wies bis zu 100 Bleischorotkörner aus, die vom Beamten Cristian Rivera aus seinem seiner Vorderschaftrepetierflinte getätigt wurde, besser als Pumpgun bekannt. Rivera wurde zunächst wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, aber wenig später wurde die Anklage von der Staatsanwaltschaft fallen gelassen. Er geht jetzt weiterhin seinen Dienst nach.
Dass zumindest von grober Fahrlässigkeit ausgegangen werden muss, zeigt ein ballistisches Gutachten. 
Demnach gibt es bei der benannten Waffe vier Sicherungsmechanismen, ehe sich ein Schuss auslösen kann.Diese wurden von Rivera missachtet.
Während Brandon Hernández in der Intensivstation von der Clínica Alemana in Temuco um sein Leben kämpft, werden weiterhin willkürliche Personenkontrolle, Straßensperren und Razzien in Mapuche-Land vollzogen.
Wir fordern Gerechtigkeit für Brandon Hernández Huentecol!






Mapuche werden bedroht und eingeschüchtert - ein Todesfall
Das österreichische Energie-Unternehmen RP Global baut ein Wasserkraftwerk auf dem Land der Mapuche-Gemeinde von Tranguil, ohne Zustimmung der Anwohner, aber mit der Unterstützung des chilenischen Staates. Es kam zu einem mysteriösen Todesfall.

Im Süden Chiles, in der Region Los Ríos, 810 km von der Hauptstadt Santiago entfernt, wehrt sich die Gemeinde von Tranguil gegen das Energieprojekt des österreichischen Energie-Unternehmens RP-Global, das den Bau eines Wasserkraftwerks zur Erzeugung von drei Megawatts plant.
Der chilenische Staat setzt aufgrund seiner geographischen und klimatischen Bedingungen auf den Bau von nachhaltigen Energieerzeuger, insbesondere von Solar- und Wasserkraftanlagen. Eine von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Chile bis 2020 neue Energiequellen braucht, um das konstante Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten. Der Bergbausektor konsumiert den Großteil der erzeugten Energie. Das chilenische Energieministerium plant daher den Bau von 100 kleineren Wasserkraftwerke, die in den kommenden Jahren in Betrieb genommen werden sollen.
Diese Energiepolitik des Andeslandes führt unmittelbar zum Konflikt mit den Ureinwohnern Chiles. Nach der Kolonialisierung Südamerikas und der endgültigen Okkupation des Mapuchelandes durch das unabhängige Chile, wurden die Gemeinden in Reservaten zurückgedrängt. Während der Militärdiktatur verlor das Land den Stellenwert als kollektives Gemeingut und  wurde zum Privatbesitz der jeweiligen Gemeinden und Familienclans deklariert.
Mit dem Übergang zur Demokratie ratifizierte Chile etliche internationale Abkommen, unter anderem auch das ILO-Übereinkommen 169, dass vorsieht, dass die Ureinwohner bei jeglichen Projekten die Ureinwohner vorab konsultieren müssen. Dieses Abkommen wird vom chilenischen Staat und den Privatunternehmen systematisch übergangen. 
Der Fall von Tranguil
Das Unternehmen RP Global hat mit dem Bau der Grundpfeiler für das Wasserkraftwerk sowie von Freileitungsmästen begonnen, ohne die Erlaubnis der Landeigentümer einzuholen. Die Forderung der Gemeinde die Genehmigungen für den Bau zu zeigen, werden von RP Global ignoriert. Stattdessen werden die Proteste der Anwohner gegen das Bauvorhaben von den Polizei mit Repression beantwortet. Der Widerstand wird bei Projekten in diesem Umfang gewöhnlich kriminalisiert und mit Polizeigewalt gebrochen.
Aktivisten und Gemeindemitglieder, die gegen das Bauprojekt sind, werden von Vertretern von RP Global eingeschüchtert und bedroht. Auch Rubén Collio, der Sprecher von der Gemeinde Tranguil, wurde von Befürwortern des Bauvorhabens bedroht.

MACARENA VALDÉS WURDE TOD AUFGEFUNDEN

Am 23. August wird die Lebensgefährtin von Ruben Collío, Macarena Valdés, in ihrem Haus Tod aufgefunden. Die Polizei geht von einem Selbstmord der dreifachen Mutter aus. Der Tod von Macarena Valdés gibt aber Rätsel auf. Zwei Tage vor dem Tod von Macarena waren zwei Vertreterin von RP Global bei Monica Painemilla, die rechtmäßige Landeigentümerin ist. Die Repräsentanten des Unternehmen forderten sie auf, dass Mietverhältnis von Ruben Collios Gründstück zu kündigen. Die Eigentümerin kam aber dieser Bitte nicht nach, da Collío als Werken die Funktion des Sprechers der dort ansässigen Gemeinden übernommen hat.
Den Drohungen und der Versuch die Familie Collío Valdés, die direkt vom Bau betroffen sind, zu verjagen, folgte der unbewilligte Bau der Stromleitmästen. 
Statt sich den Protesten der Landbesitzer und der Gemeinde anzunehmen und das Einhalten von internationalen Abkommen, wie das Dekret 169, zu gewährleisten, verhält sich die lokale Regierung als der stille Komplize des österreichischen Unternehmens, das weiterhin unter Polizeischutz den Bau vorantreibt.









Freiheit für Francisca Linconao
Durch die Entscheidung des Berufungsgerichts von Temuco, müssen vier angeklagte Mapuche, unter ihnen  die Machi Francisca Linconao  zurück ins Gefängnis. Francisca Linconao ist die spirituelle Autorität der Gemeinde von Rahue. Gemeinsam mit drei anderen Mapuche wird sie von der Staatsanwaltschaft beschuldigt am Tod des Ehepaares Luchsinger-MacKay verantwortlich zu sein. Das Unternehmerehepaar starb am 4. Januar 2013 beim Brand ihres Hauses. Der Mapuche Celestino Córdova wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge von der Justiz zu 18 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht  klammerte die Tat als Terrorakt ausschließlich aus.  Die Regierung des ehemaligen Präsidenten Pinera hielt aber an einen terroristischen Angriff fest und forderte die Wiedereröffnung des Falles, um weitere Schuldige für diesen Angriff zu finden. Zum weiteren Kreis der Beschuldigten gehört auch die Machi Linconao.
Bereits in einem anderen Fall war Linconao beschuldigt worden an Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein, wurde aber vom Gericht freigesprochen. Auch in diesem Fall beteuert die Machi vor der Presse und in zwei Briefen an die Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet, ihre Unschuld.

Wir sehen in diesen Maßnahmen den weiteren Versuch die Mapuche für den legitimen Kampf um ihre Kultur und Rechte zu kriminalisieren und fordern die Freilassung von der Machi Francisca Linconao.














Kinder der Sonne: So heißt der Song des Rappers King Kolera, der die Repression, Polizeigewalt und den Widerstand der Mapuche in Chile thematisiert.






Eine Mini-Doku über den Kampf der Mapuche-Gemeinden Pilmaiken und Lumaco Banjo, die sich gegen den Bau eines Wasserkraftwerks in ihren angestammten Land wehren. Der Bau dieses kapitalitischen Großprojekts würde nicht nur ein Heiligtum der Mapuche unter Wasser setzen, sondern auch die Umwelt entscheidend beeinträchtigen. Die Doku ist auf spanisch, ist aber auf deutsch übersetzt.










Dieses Schreiben wurde am 15. Januar 2016 in Oslo einigen Vorstandsmitgliedern des staatlichen Energiekonzerns Statkraft übergeben. Zudem haben Mitglieder der Partei Rødt eine Abschrift erhalten, um dieses Anliegen im Parlament vorzutragen.


Wir sind der Rat der Gemeinden von Rio Bueno, Lof[1] im Widerstand von Río Pilmaiken, Verteidiger der heiligen Stätte Ngen Mapu Kintuante, ein Gebiet von spiritueller, kultureller und kollektiver Bedeutung für das soziale Miteinander der Mapuche von Huilliche.
Dieses Dokument hat zum Zweck, über unsere Standpunkte zu informieren, die jedwede Projekte betreffen,  die sich auf das Territorium der Ahnen der Mapuche von Huilliche erstrecken sollen und die unsere Lebensweise beeinflussen und zerstören können.
Die Ankunft des norwegischen Staatsunternehmen Statkraft hat gezeigt, wie wenig Verständnis der Bedeutung „spiritueller  Ort“ von Seiten des chilenischen Staates und den Repräsentanten des Unternehmens, ihre Community Relations Manager-Abteilung,  entgegengebracht wird.
Der Staat hat mittels seiner Institutionen eine reduzierte Anzahl von  Gemeinden und Vereinigungen definiert, die Verwendung von der heiligen Stätte Ngen Mapu Kintuante machen können und damit offenbart, dass sie die große Bedeutung von diesem Ort nicht verstehen, da durch die Bezeichnung  „Verwendung“ diesem Ort lediglich eine geographische Definition gegeben wird und keine Spirituelle.
Das norwegische Unternehmen seinerseits spricht von Maßnahmen, die die Beeinträchtigungen des Gebietes beschränken soll, deren Bauabsichten sich aber mit der Bedeutung dieser Stätte nicht in keinster Weise vereinbaren lassen. Sie schlagen, um die Überschwemmung von 150 Hektar zu verhindern, unter anderem vor:

·       Die Anhebung des Gebietes mit der Auffüllung von Erde.
·       Die Aufforstung des „natürlichen Amphitheater“, wie sie Kintuante nennen.
·       Die Schaffung eines ökologischen Korridors.
·       Errichtung eines Damms, um eine Überschwemmung zu verhindern.
·       Die Verschiebung der „heiligen Stätte“ und ihre Wiedereinsetzung, wenn die Arbeiten beendet sind.


Nach sorgfältiger Überprüfung ihrer Vorschläge und Tätigkeit bleibt uns nur die Überzeugung, dass sie nicht verstehen und nicht verstehen werden, welch Wichtigkeit unser Fluss und die heiligen Stätte Ngen Mapu Kintuante für uns haben. Wir wollen weder ihr unterbreitetes Entwicklungsmodell befolgen, noch ihrem akkumulativen und interventionistischen Eifer.
Das bestehende Problem ist nicht nur politisch, sondern auch spirituell, kulturell und ökonomisch und betrifft unsere Gemeinschaft und unsere angestammten Rechte auf dieses Gebiet.
In diesem Kontext können wir unter keinen Umständen die Absicht des Unternehmens von den lokalen Gemeinden, eine ‚soziale Betriebslizenz‘ zu erlangen, ermöglichen. Wir sind bereit, unser Land zu verteidigen, wie auch in der Vergangenheit geschehen.
Seit 2009 haben wir unsere kategorische Ablehnung gegenüber dem Bau eines Wasserkraftwerks zum Ausdruck gebracht. Seitdem haben wir politische Verfolgung erlebt und wurden Zeugen von unternehmerischen und staatlichen Taktiken, um die Gemeinden zu spalten. Wir kennen ihre Art und Weise zu intervenieren und wie sie die Menschen belügen mit Slogans und Konzepte wie: „Wachstum und Entwicklung“, „Nachhaltigkeit“, „Energiekrise“, „saubere Energie“, mit der Bezeichnung von Gruppen und Gemeinden, die um ihr Land und Kultur kämpfen als „Radikale“ und mit den Aktionen ihrer Community Relations Manager, die ihrem unternehmerischen Handeln  eine gewisse Rechtmäßigkeit verleihen sollen.
Wir haben keinen Zweifel daran, dass die radikalen Aktionen vom Staat und von Unternehmen im Namen eines Entwicklungsmodells ausgehen, das unserer Lebensweise vollkommen fremd ist.
In diesem Sinne, kann das Unternehmen sowohl mit dem chilenischen Staat, als auch mit dessen Institutionen wie die CONADI[2], CONAMA[3], SEA[4], noch so sehr verhandeln, um Maßnahmen zur Verminderung von Beeinträchtigungen zu unterbreiten, die uns als Rechtsgemeinschaft direkt betreffen, das wird aber unsere angestammten und spirituellen Überzeugung nicht umstimmen, dass die heilige Stätte Ngen Mapu Kintuante und sein Pilmaiken-Fluss unverkäuflich sind.
Diese Intervention wird von uns als ein Genozid verstanden, als Vernichtung unserer Kultur.
Sie als norwegischer Staat können sich zum Komplizen dieses Genozids machen, oder sie ergreifen die Möglichkeit, um Regierungen und Staaten eine klare Lektion zu erteilen, dass für Sie an erster Stelle der Respekt, der Schutz, die Erhaltung des menschlichen Lebens und dessen heiligsten Traditionen stehen.
Sie haben die Möglichkeiten zu zeigen, dass sie verstanden haben, dass die kollektiven, sozialen und kulturellen Rechte der indigenen Völker in jenen Ländern, in denen diese in Frage gestellt sind, verteidigt werden müssen und diese über den ökonomischen Ansprüchen und einem Entwicklungsmodell stehen, von denen Sie wissen, dass dieses nur ein Pflaster darstellt, um den zukünftige Verfall der Menschheit zu verbergen.
Unsere Einladung ist: „Gap pa tu“, ohne die Kultur der indigenen Völker zur zerstören.
Unser Aufruf: Keine norwegischen Wasserkraftwerke im Pilmaiken-Fluss!
Rat der Gemeinden von Río Bueno
Lof in Widerstand von Río Pilmaiken
Verteidiger der heiligen Stätte Ngen Mapu Kintuante



[1] Lof bedeutet Gemeinschaft
[2] CONADI ist die Nationale Körperschaft für indigene Entwicklung 
[3] CONAMA ist die Nationale Umweltbehörde
[4] SEA Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit








AMULEPE TAIŇ WEICHAN – QUE SIGA NUESTRA LUCHA – KEINE WASSERKRAFTWERKE, MINEN, FORTSINDUSTRIE 
Die Verteidigung des heiligen Ortes Ngen Mapu Kintuante (am Ufer des Pilmaiken-Flusses in der Seenregion, in der beabsichtigt wird ein Wasserkraftwerk zu bauen und dabei ein Mapuche-Friedhof zu  überschwemmen), wird immer schwieriger und geht mit nicht wenigen Hindernissen für die Mapuche-Gemeinschaften einher. Etliche bürokratische Behördengänge mussten die Comunidades realisieren, um das völkermordende Projekt von Pilmaiken S.A (einer Filiale von AES Gener, die kürzlich an norwegisches Kapital verkauft wurde, hauptsächlich an Statkraft) zu verhindern.
Die Comunidades haben Schutz beantragt und Berufung in etlichen Appellationsgerichte des Landes eingelegt mit der Absicht auf die Zerstörung der Natur im Umkreis des Pilmaiken-Flusses aufmerksam zu machen und diese zu stoppen, denn diese hat die unmittelbare Vernichtung der indigenen Bevölkerung zur Folge. Die etlichen Berufungsanträge wurden von der chilenischen Justiz abgelehnt, die dabei verfassungsmäßige Rechte und internationale Abkommen, die Chile ratifiziert hat, ignoriert. Um nur einige zu nennen: „das Recht auf Leben und körperlicher sowie psychischer Unversehrtheit, „die Unverletzbarkeit der Wohnung“, „Gewissensfreiheit“, „ Freiheit und Sicherheit der Person“, „ das Recht in einer unverschmutzten Umwelt zu leben“, „das Recht sich ohne Vorankündigung und unbewaffnet auf friedlicher Weise zu versammeln“, „Abkommen 169 von der OIT“, „Gesetz der Indigenen 19.2532“.  Dies, nur um einige Gesetze zu erwähnen, die der Staat vorgibt zu respektieren, aber in Wirklichkeit mit Füßen tritt. Momentan fokussieren sich die Kräfte der Gemeinschaften der Wallmapu darauf enteignete und „legal“ gestohlene Länder zurückzugewinnen und streben konsequent nach politischer, sozialer und spiritueller Autonomie.

Celestino Córdova und Millarey Huichalaf sind die Machis der Mapuche-Gemeinschaft im Wallmapu. Es sind Personen, die von höheren Geistern berufen werden, um die Rolle des Vermittlers zwischen der Welt der Geister und der Lebenden zu übernehmen. Sie sind darüber hinaus spirituelle, medizinische und religiöse Autoritäten. Beide sind das sichtbare Gesicht des Wiederstandes der Gemeinschaften, die im Konflikt mit dem Staat und privaten Unternehmen stehen.
Der Machi Celestino Córdova wurde mit einem Brand im Januar 2013 in Vilcún in Verbindung gebracht, der sich im Grundbesitz der Siedler Luchsinger-Mackay ereignete. Er ist momentan in einem Gefängnis in Temuco und verbüßt eine 18 jährige Haftstrafe. Zudem ist eine Anzeige gegen den chilenischen Staat bei internationalen Organismen (Internationaler Gerichtshof für Menschenrechte) aufgrund politischer Verfolgung und seines Volkes eingereicht worden und ist noch ausstehend.

Die Machi Millaray Huichalaf wird aufgrund ihrer Stellung als Pressesprecherin der Bewegung des Widerstandes am Pilmaiken-Flusses und als Autorität der Gemeinschaft von El Roble-Carimallín verfolgt. In einem Prozess voller juristischer Fehler und logischer Inkonsistenz, wurde sie zu 61 Tagen wegen vermeintlicher Vertuschung eines Brandanschlag eines Hauses des Grundbesitzes von  Pisu Pisué, einer Kommune beim Río Bueno. Sie war vier Monate in Untersuchungshaft und stand für 280 Tage unter restriktiven Maßnahmen.

Jaime Uribe Montiel aus der Gemeinschaft Rupu Lafken von der Gemeinde Hualaihue, wird bei der Räumung des Grundbesitz Lumaco in Pilmaiken festgenommen. Unser Peñi[1] befindet sich nun hinter Gitter im Gefängnis von Río Bueno und wird wegen versuchten Mordes an einem Carabinieri, unerlaubten Waffenbesitz, unerlaubten Besitz von Munition und gewaltsame Aneignung von Privateigentum angeklagt.  Der Staatsanwalt fordert 20 Jahre Haft für diese groteske Inszenierung.
Auf diesem Wege versucht der Staat mit seinen repressiven Organen eine Bewegung zum Schweigen zu bringen, die sich den kapitalistischen Projekten von multinationalen Privatunternehmen widersetzen. Viele von diesen Unternehmen haben direkte Verbindungen zu Familienangehörige von Parlamentariern, die sich weigern die Verfassung von 1980[2] zu ändern.

Wir wissen, dass sich der chilenische Staat als ein „Entwicklungsland“ definiert, der als OECD-Mitglied jedoch zum Club der reichsten Länder dieser Welt gehört, dessen Reichtumsverteilung extrem ungleich ist und dessen „Wirtschaftswunder“ auf der Ausbeutung von Rohstoffe und Primärgüter, hauptsächlich im Minensektor, aber auch Forstwirtschaft und der Fischindustrie, basiert. Dies zieht einen hohen Energiekonsum der Schwerindustrie auf sich, die auf den Export ausgerichtet ist[3]. Die Lösung der vorhandenen Energiekrise sieht der chilenische Staat im Bau von Wasserkraftwerke, was wiederum die unwiederbringbare Zerstörung von Flora und Fauna, der Natur und der Völker in der Region mit sich bringt – alles im Namen Fortschritts.
Daher basiert die Politik des chilenischen Staates auf der systematischen Repression unseres Mapuche-Volkes. MARRICHIWEW!!!




[1] Peñi bedeutet Bruder
[2] Die Verfassung von 1980 wurde während der Militärdiktatur in Zusammenarbeit zwischen erzkonservativen Kreisen und dem Pinochet-Regime in einem Plebiszit verabschiedet, das nicht ansatzweise den demokratischen Mindeststandards erfüllte.
[3] Die Industrie und Minensektor verbraucht ca. 62% des gesamten Energiekonsums Chiles (Stand 2013).